Von gelben, schwarzen und albinotischen Feuersalamandern
In meinen Terrarien lebt eine kleine Herde Feuersalamander. Da die regelmäßige Futterbeschaffung für viele Tiere häufig mit Schwierigkeiten verbunden ist, nehme ich mir immer wieder vor, mich von einigen Salamandern zu trennen. Doch wenn es dazu kommen soll, dann möchte ich keinen von diesen Gesellen missen; im Gegenteil, es werden nicht weniger, sondern es kommt von Zeit zu Zeit ein Neuling hinzu. So erfreute mich kürzlich Herr K. Müller mit einem Salamander aus der Umgebung des Wörther Sees. Das Tier ist vorwiegend schwarz, die gelben Flecke sind klein und rundlich oder oval und ziehen in drei unregelmässigen Längsreihen über den Rumpf. Nur im Nacken befindet sich ein unregelmässiger Fleck, der aussieht, als ob er aus drei rundlichen Flecken zusammengeflossen wäre. An der rechten Rumpfseite sind ausserdem noch zwei gelbe Flecke vorhanden. Je ein kleiner Fleck befindet sich auf den Augenlidern. Auch die Ohrdrüsenwülste sind gelb. Ferner tragen die Gliedmassen Flecke; auch der Schwanz ist gelb gezeichnet. Unterseits befinden sich auf Kehle und Bauch kleine
Hochgelber SalamanderFoto: Vohleitner.
blaßgelbliche Flecke. Im ganzen tritt aber das Gelb sehr zurück.
Dieses Tier teilt seinen Behälter mit einem hochgelben Feuersalamander,
den ich Herrn W. Koch verdanke. Es versteckt sich nicht mehr, wenn es gestört
wird, und hat sich schon daran gewöhnt, Regenwürmer von der Pinzette
zu nehmen. Trotzdem macht es einen recht "ängstlichen" Eindruck.
Zweifellos ist es falsch, dem Verhalten eines Feuersalamanders diesen oder ähnliche
Begriffe zugrunde zu legen; aber dennoch kann ich das Tier nicht treffender
charakterisieren. Fast stets hat das Tier den Schwanz nach rechts oder links
vorn eingerollt und sitzt zusammen gekauert da. Oft trägt es den Schwanz
auch beim Gehen eingerollt und "stolpert" auch einmal darüber.
Dieser Salamander stammt aus der Gegend von Holzminden im Solling. Über
die Rückenmitte verläuft eine Reihe kleiner schwarzer Flecke und Pigmentspritzer,
die auf dem Scheitel beginnt und bis auf den Schwanz reicht. Auf den Rumpfseiten
tritt das Schwarz jederseits zu einer ziemlich gleichmässigen Binde zusammen.
Die Kiefer sind schmal schwarz gerändert. Einige kleine schwarze Flecke
finden sich auf dem Schwanz. Die Unterseite ist ebenfalls ganz überwiegend
gelb.
Ähnlich hoch gelbe Salamander hatte ich von Herrn W. Koch am 27. Mai 1947
erhalten. Es waren zwei Tiere aus dem Hooptal zwischen StadtoIdendorf und Negenborn,
etwa 12 km nordöstlich von Holzminden. Ein Exemplar davon war meiner Erinnerung
nach vollkommen gelb ohne schwarze Zeichnung auf der Oberseite. Leider ist es
mir entlaufen. Ich konnte damals meine Behälter vorübergehend nicht
in einem geschlossenen Raum unterbringen und fand das Glas eines Morgens unverschlossen
und ohne Salamander vor. Das andere Exemplar wurde am 3. Juni 1947 durch eine
Kreuzkröte (Bufo calamita) vergiftet, die ich am Tage zuvor dazugesetzt
hatte. Die Abbildung gibt das Photo des Spirituspräparates wieder. Das
Tier ist ca. 172 mm lang. Bei dem oben beschriebenen Salamander tritt das Schwarz
auf der Rückenmitte noch mehr zurück als bei dem abgebildeten Exemplar.
Ganz gelbe Salamander, die überhaupt kein Schwarz haben, sehen nicht so
"hübsch" aus wie schwarzgelb gezeichnete. Das konnte ich seinerzeit
an dem entlaufenen Stück beobachten. Ein weiteres überwiegend
gelbes Exemplar aus dem Solling, das ich gleichfalls Herrn W. Koch verdanke,
ist nach Photos von Herrn Dr. Steinbach in dem Brehm-Bändchen "Feuersalamander
und Alpensalamander"
abgebildet. Es ist ein recht robuster Geselle, der sich mit seinen drei Käfiggenossen
bei Fütterungen oft herumbalgt. Im Schnappen nach Regenwürmern ist
er für einen Salamander verhältnismässig"flink" und
erhält darum meist den Löwenanteil, während die anderen das Nachsehen
haben.
Man hat sich selbstverständlich Gedanken darüber gemacht, wie es kommt,
dass manche Salamander in so ungewohnter Weise ganz oder nahezu ganz gelb gezeichnet
sind. Beispielsweise findet sich in Heft 3/1954 dieser Zeitschrift auf Seite
79 die Angabe, dass man durch geeignete Haltung überwiegend gelb gezeichnete
Tiere erzielen kann: "Helle Lehmerde, höhere Temperatur, sehr feuchte
Luft bewirken vorwiegend gelbe Tiere, dunkler Humusboden, niedrige Temperatur
und geringe Feuchtigkeit der Luft dagegen vorwiegend schwarze Tiere." -
Alle sorgfältigen experimentellen Untersuchungen haben erwiesen, dass diese
oft wiederholten Angaben nicht zutreffen. Mit den genannten Mitteln lassen sich
- das steht einwandfrei fest - keine überwiegend gelben oder überwiegend
schwarzen Feuersalamander gewinnen. Massgeblich ist vielmehr die erbliche Veranlagung.
Nur bei Larven kann man im Rahmen des bei diesen Tieren möglichen physiologischen
und in gewissem Maße auch morphologischen Farbwechsels vorübergehende
Farbangleichungen an die Farbe der Umgebung bewirken, die sich aber nach der
Metamorphose zurückbilden. Auch der Umstand, dass bei uns nur im Solling
hochgelbe Salamander angetroffen werden, weist ja schon nachdrücklich darauf
hin, dass erbliche Faktoren im Spiele sind.
Aus dem Solling sind unter anderem ein total schwarzes Feuersalamander-Weibchen
und ein nigrinotisches Feuersalamander-Männchen bekannt geworden. Die Schwarzfärbung
ist ebenfalls erblich. Das haben die mehrfach beschriebenen Zuchten meines Freundes
E. Susebach dargetan. Abbildungen schwarzer Feuersalamander finden sich in dem
genannten Bändchen der Neuen Brehm-Bücherei.
Damit ist aber die Reihe der Farbkleidbesonderheiten des Feuersalamanders noch
nicht erschöpft. Verhältnismässig häufig treten Albinos
auf. Das Spirituspräparat eines albinotischen Feuersalamanders, der aus
der Gegend von Kreuznach stammt, bekam ich kürzlich von Herrn Dr. Hertz
geschenkt (Zool. Garten, im Druck). Sehr eigentümlich muten partiell albinotische
Feuersalamander an. Auch partielle Albinos sind mehrfach bekannt geworden. Ein
derartiges Tier hatte ich bisher noch nicht lebend gesehen. Sehr erfreut war
ich daher, als ich zugleich mit dem oben beschriebenen hochgelben Salamander
einen Halbalbino aus der Sendung von Herrn Koch auspacken konnte. Das Tier machte
auf mich einen recht schwächlichen Eindruck, doch

Halbalbinotischer Feuersalamander. Foto: Z..J. Göttingen
lag das wohl mehr an dem
ungewohnten Anblick als an der Konstitution des Salamanders. Anfangs hatte ich
den Eindruck, dass er etwas abmagert, aber dann sah ich ihn fressen; jetzt nimmt
er das Futter auch von der Pinzette und hat alle Scheu abgelegt. Seinen Behälter
teilt er mit einem weiteren Salamander aus dem Solling und einem stattlichen
Weibchen aus den Basses Alpes, das sich durch unterbrochene schmale hellgelbe
Längsbinden auszeichnet.
Der Halbalbino ist ein Männchen von etwa 14 cm Länge. Die Unterseite
ist ganz ohne Pigment. Nur auf dem Schwanz zieht sich das Gelb von den Seiten
her an einigen Stellen bis fast zur Mittellinie der Schwanzunterseite. Auf der
Oberseite befindet sich vor dem linken Auge ein bräunlicher Tüpfel,
1 bis 2 mm davon entfernt ein mehr zur Mitte reichender unregelmässiger
gelblicher Fleck. Dicht hinter dem rechten Augenlid liegt ein kleiner gelblicher
Tupfen. Am medianen Rand des linken Ohrdrüsenwulstes befindet sich ein
gelber Fleck. Ausserdem ist die Kopfmitte schwach bräunlich gezeichnet.
Im übrigen ist der Kopf pigmentlos. Die dunkelroten Augen schimmern durch
die Augenlider. Alle Drüsen fallen als weißlich-fleischfarbene Knötchen
auf. - Vorn auf dem Rücken und kräftiger auf dem Hinterrücken
sind gelbe Längsbinden angelegt und die Rückenmitte bräunlich
gefärbt. Der übrige Rumpf ist pigmentlos. Im
Bereich der Färbung sind die Ausführungsgänge der Drüsen
in bekannter Weise dunkel markiert, an den anderen Stellen sind sie farblos,
mit der Lupe aber auszumachen. - Der Schwanz ist überwiegend gelb mit eingestreuten
kleinen unpigmentierten Inseln und pigmentloser Spitze. Innerhalb der gelben
Färbung erscheinen vielfach die Ausführungsgänge der Drüsen
als farblose Tupfen. Ausserdem trägt der Schwanz vor dem hinteren Ende
einen kleinen länglichen bräunlichen Fleck; ferner sind einige kleine
schwarze Punkte vorhanden. - Auch die Beine sind im wesentlichen pigmentlos.
Oberarme und Oberschenkel tragen oberseits gelbe Flecke, die von pigmentlosen
Stellen durchsetzt sind, ferner die Unterarme. Schliesslich zeigt die vierte
Zehe des rechten Hinterbeines nahe dem Grunde einen kleinen gelben Fleck. Wie
stets bei Albinos schimmern an den unpigmentierten Stellen die Eingeweide durch;
die oberflächlich verlaufenden Blutgefässe sind zu erkennen. Mit der
Lupe kann man das Blutgefäßnetz der Haut bequem verfolgen. Durch
das Zurücktreten der Färbung sieht das Tier recht zart aus. .
Zur Frage der Entstehung
solcher Anomalien lässt sich zur Zeit nur sagen, dass sie - wie andere
Farbkleidbesonderheiten - erblich verankert sind. Leider wurden albinotische
oder halbalbinotische Feuersalamander bisher noch nicht nachgezogen.
Den hier genannten und den vielen nicht genannten Spendern von Feuersalamandern
sei hiermit herzlich gedankt, ebenso Herrn Vohleitner und dem Zoologischen Institut
der Universität Göttingen für die Anfertigung der Photos.
Schrifttum.
Freytag, G. E.: Über das Farbkleid der Salamandriden in seiner Abhängigkeit
von äußeren und inneren Faktoren. - Veröff. zool. Staatssammlung
München, 2, S. 79-124, 1951. 1
Feuersalamander und Alpensalamander. Neue Brehm Bücherei, Heft 142, 1954.
1 Weitere Naturfunde albinotischer Amphibien. - Zool. Garten, im Druck.
F r e y tag, G. E., und E. S u s e b ach : Beitrag zur Kenntnis des Farbkleides
des Feuersalamanders (Salamandra salamandra L.). - Zool. Anz. 138, 5/6, S. 127
bis 138, 1942. 1
Zweiter Beitrag zur Kenntnis des Farbkleides des Feuersalamanders (Salamandra
salamandra). - Mitt. Naturk. Vorgesch. Magdeburg, 1, 2, S. 95-120, 1948.
Lehmann, H.: Der Feuersalamander - ein dankbarer Pflegling. - Aquarien Terrarien
1, 3, S. 79-80, 1954.
Mertens, R.: Die Lurche und Kriechtiere des Rhein Main-Gebietes. Senckenberg-Buch
16, 1947.1