Ablichtung aus ELAPHE (DDR) l, 1985
Zur Fortpflanzung von Salamandra salamandra bernardezi (Wolterstorff 1928)
H. WIESNER
Einleitung
Der Feuersalamander (Salamandra
salamandra) und seine Unterarten setzen in der Regel Larven von 25 . . . 30
mm Länge im Wasser ab. Die Extremitäten sind vollständig ausgebildet,
und die Larven tragen Kiemen.
Diese Art der Fortpflanzung ist beim Feuersalamander weitgehend bekannt. Aus
der nordspanischen Stadt Oviedo ist nun die Unterart Salamandra s. bernardezi
bekannt, die in einem wasserlosen Biotop beiderseits eines Bahndammes vorkommt
bzw. vorkam (s. Skizze). Die Tiere haben sich so weit diesen ungünstigen
Umweltbedingungen angepaßt, daß sich des Larvenstadium, wie beim
Alpensalamander (Salamandra atra), im Mutterleib vollzieht. Auch hier ist die
Zahl der zur Entwicklung kommenden Eier wesentlich geringer. Während Weibchen
anderer Unterorten bis 70 Larven absetzen können, bringt Salamandra s.
bernardezi nur wenige Jungtiere hervor.
Zur Systematik gibt es Meinungsverschiedenheiten, ob Salamandra s. bernardezi
nur eine geographische Form von Salamandra s. fastuosa (SCHREIBER 1912) darstellt.
Beide Unterarten ähneln sich in der Zeichnung sehr, nur wirkt Salamandra
s. bernardezi zierlicher. Bedingt durch die 'Fortpflanzungsbiologie erscheint
aber die Eigenständigkeit als Unterart gerechtfertigt.
Zuchtmaterial
Anfang Februar 1981 konnten vier Jungtiere von Salamandra s. bernardezi übernommen werden, die im Dezember 1980 in Gefangenschaft geboren worden waren (F1-Generation). Der besondere Hinweis des Züchters, diese Jungsalamander feuchter als die anderen Feuersalamander-Arten zu halten, wurde streng beachtet. Die Tiere hatten etwa eine Länge von 45 mm. Trotz sorgsamster Pflege verendete jedoch ein Tier nach vier Wochen. Die drei übrigen wuchsen gut heran und entwickelten sich zu zwei Männchen und einem Weibchen. Im Oktober I952 ging dann ein Männchen noch längerer Futterverweigerung ohne erkennbare Ursache ein, so daß ein Männchen und ein Weibchen zu einem Zuchtversuch verblieben.
( Bild "Unbefruchtete Eier von S. s. bernardezi" nicht aufgenommen)
Unterbringung und Pflege
Gepflegt werden die Tiere in einem geklebten Glasbehälter mit einer Grundfläche von 30 x 60 cm und einer Höhe von 20 cm. Der Behälter ist mit einer Glasscheibe abgedeckt. Durch geringfügige Unterschiede in der Höhe der Seitenscheiben schließt die Deckscheibe nicht vollständig, auch erfolgt eine Lüftung einmal wöchentlich bei der Fütterung. Der Bodengrund ist etwa 3 cm hoch mit welkem, vorjährigem Buchenlaub gestaltet, eingelegte Kalksteinplatten und hohlliegende Borke, mit lockeren Moospolstern abgedeckt, vervollständigen die Einrichtung. Ein Wasserbecken ist, um der Besonderheit bei der Fortpflanzung dieser Art gerecht zu werden, nicht vorhanden. Durch gelegentliches übersprühen wird das Substrat feucht gehalten. Bei der geringen Besatzdichte wird der Bodengrund dreimal jährlich erneuert. Das Moos wird wesentlich öfter gewechselt und Steinplatten oder Borkenstücke, die von den Tieren regelmäßig als Sitzplatz genutzt werden, mit einer Bürste unter fließendein Wasser gereinigt. Gefüttert werden überwiegend Laubregenwürmer, ohne Kopfteil, gelegentlich frischgehäutete Mehlwürmer und Wachsmaden. Als die Tiere die entsprechende Größe hatten. erhielten sie auch ab und zu eine frischgeborene Maus einer kleinwüchsigen Zuchtform.
Fortpflanzung ( Bild "Wenige Stunden altes Jungtier (Fotos: Autor)" ausgelassen)
Paarungsaktivitäten
wurden erstmals im März April 1983 nach kalter Überwinterung beobachtet.
Im darauffolgenden Herbst wurde das Weibchen langsam dicker, was auf eine baldige
Geburt hoffen ließ. Vorsichtshalber wurde das Männchen isoliert,
um Kannibalismus des männlichen Tieres vorzubeugen. Es sollte aber noch
einige Zeit dauern. Der Leibesumfang des Weibchens nahm weiter zu und erreichte
einen Umfang von 82 mm (Bandmaß) bei einer Gesamtlänge des Tieres
von 155 mm (Männchen 130 mm). Am 10. August 1984 wurde bei der täglichen
Kontrolle der Behälter eine gelbliche Masse festgestellt, die sich beim
genaueren Hinsehen als unbefruchtet abgesetzte Eier identifizieren ließ.
Die Eier hatten einen Durchmesser von etwa 4 mm. Vorsichtig ausgezählt
ergab sich eine Stückzahl von 53!
Eine sofort durchgeführte sorgfältige Suche förderte drei Jungtiere
(F2-Generation) ans Tageslicht, die sich bereits im lockeren Moos verkrochen
hatten. Die drei Tierchen zeigten bereits auf schwarzem Grunde gelbe Zeichnungsmuster.
Zwei Jungsalamander hatten eine Länge von 40 mm und waren wohlproportioniert,
während das dritte Jungtier nur 33 mm lang war. Dieses kleinere Exemplar
trug den Kopf etwas schief. An den Seiten des Hinterkopfes waren Kiemenstummel
von 1 mm Länge festzustellen, der Schwanz zeigte noch Reste eines Hautsaumes,
ein Zeichen dafür, daß die Anpassung an das wasserlose Biotop noch
nicht vollständig vollzogen ist.
Aufzucht
Alle drei Jungtiere wurden
zur Aufzucht in eine Klarsicht-Plastwanne überführt (25 x 16 x 6 ein),
bestückt mit lockerem, nassem Moos und hohlliegenden feuchten Rindenstücken.
Nach 3 Tagen wurden kleine Wachsmaden angeboten, die auch von dem unterentwickelten
Jungtier angenommen wurden.
Heute, 2 Monate nach der Geburt der Salamander, werden noch immer die unteren,
nassen Regionen des Moospolsters als Aufenthalt gewählt. Jungtiere anderer
Unterarten bevorzugen in diesem Alter vom Zeitpunkt der Metamorphose gerechnet
bereits die wesentlich trockenere Aufenthaltsplätze zwischen den Rindenstücken.
Die beiden "normalen" Jungtiere haben bereits eine Länge von
45 mm erreicht, die weitere Aufzucht des dritten Tieres wird versucht.
Schlußfolgerung zur Geschlechtsreife
Das Alter der Elterntiere
ist genau bekannt (Geburt Dezember 1980). So dauerte es also 3 Jahre und 7 Monate,
bis diese Tiere selbst wieder Jungtiere absetzten. Der Zeitpunkt der Befruchtung
läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Sollte sie jedoch im März
April 1983 bei der Beobachtung der ersten Paarungsaktivitäten erfolgt sein,
läßt sich eine Tragzeit von maximal 15 Monaten vermuten. Das hieße
wiederum, die Geschlechtsreife setzte in einem Alter von 27 ... 28 Monaten ein.
Da die Haltung der Elterntiere (kalte Überwinterung bei + 6 bis 8 °C)
annähernd dem natürlichen Jahresrhythmus entspricht, ist also auch
in der freien Natur eine kürzere Generationsfolge nicht möglich.
Fundort
Der bekannte Fundort von
Salamandra s. bernardezi lag beiderseits einer Bahnlinie. Auf der einen Seite
des Bahndammes befand sich eine Gebüschgruppe, wo die Tiere nachgewiesen
wurden, und auf der anderen Seite befanden sich die Salamander unter den Trittplatten
länqs des Bahndammes. Das war der Zustand im Jahre 1977. Heute, im Jahre
1984, befindet sich am Ort der Büsche ein Parkplatz, auf der anderen Seite
der Bahnlinie eine Autobahn. Betrachtet man die geringe Vermehrungsquote und
das erforderliche Mindestalter für die Geschlechtsreife diese Salamander,
so ist es kaum wahrscheinlich, daß diese Population in der Lage war, derartige
gravierende Veränderungen des Biotope zu überleben. Bleibt die Frage
offen, ob diese Unterart auch noch an anderen Orten nachgewiesen wurde oder
wird, oder ob Salamandra s. bernardezi als ausgestorben gelten muß.

1977
Fundort von Salamandra s. bernadezi
Literatur
THORN. R.:
"Les Salamandres". Paris 1968
Autor: Horst
Wiesner, 1170 Berlin, Zur Nachtheide S4