Edzard Günther Leer

Die Salamander des Tendi - Tals in Asturien / Nordspanien

Ich besuchte im Frühjahr 1997 das Gebiet zwischen Arriondas und Infiesto. Im Tendi- Tal konnten wir nachts bei Regen Hunderte von Feuersalamandern auf der Straße in etwa 300 bis 900 müNN auf einer Länge von 7 bis 8 Kilometern sehen.

Die "Tendi-Salamander" unterscheiden sich in folgenden Punkten von den Salamandra s. bernardezi aus anderen Gegenden Asturiens:
1. Sie sind deutlich kleiner (max. 15 cm Gesamtlänge oder nur 9 bis 12 cm).
2. Die Färbung:
a) Der Schwarz anteil ist meist viel matter, grauer.
b) Der Gelbanteil ist nie reingelb, sondern graugelb, braun, reingrau, orangerötlich oder olivegrün.
c) Die Abgrenzung zwischen dem Schwarz und dem Gelb ist oft unscharf.

3. Sie sind viel schneller bereit, Abwehrsekrete abzusondern. Einmal wurde mir Sekret aus einer Entfernung von einem knappen Meter direkt von unten nach oben auf meine Brille gespritzt.
4. Bis auf eine einzige Ausnahme haben wir tagsüber in möglichen Verstecken nie Salamander gefunden. Die Tiere scheinen sich im Tendi - Tal besonders gut in tieferen, unzugänglichen Stellen verstecken zu können.

Vor Ort konnten wir feststellen, daß die Tiere ebenso vollmolchgebärend sind wie die Oviedo - Salamander. Wir konnten aufgrund der überwiegend trockenen Witterung nur zum Teil feststellen, wie die Salamander in den unmittelbar benachbarten Gebieten aussehen:
1. Nach Süden hin, jenseits des Passes und nur einen Kilometer von den Tendi-Salamandern getrennt, sind die Salamander wie in Oviedo gefärbt.

Verschiedene Farbmodifikationen von Salamandra salamandra bernardezi aus dem Tendi- Tal. - Fotos: J. KOPETSCH.

2. Nach Osten hin fanden wir etwa 3 km vom Tendi-Tal entfernt nur einen Salamander. Er besaß die typische Tendi-Färbung (olivgrün).
3. 20 bis 30 km nordöstlich sind die Feuersalamander meist sehr gelb mit nur einem geringen Schwarzanteil. Die Tiere sind auch dort vollmolchgebärend.
4. Das Pilona - Tal im Norden scheint salamanderfrei zu sein.
Interessant wäre es zu untersuchen, wie die Tiere westlich des Tendi - Tals aussehen. Insgesamt ist das Tendi-Gebiet durch hohe Gebirgszüge im Osten, Süden und Westen und durch den Rio Pilona recht isoliert. In der Nähe der TendiQuelle fanden wir einen Goldstreifensalamander (Chioglossa lusitanica). Dies ist ein extrem östlicher Fundpunkt für diese Art.

Quelle: Elaphe 6 (1998) Heft 2, Seite 96 - 97

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