Zusammenfassungen der Vorträge, die auf der Tagung der DGHT-AG Urodela vom 22. bis 24. Oktober 1999 in Gersfeld gehalten wurden (Teil 1)

Beobachtungen an Salamandra algira in Marokko
Serge Bogaerts & David Donaire Barrosso

Einleitung
Über die nordafrikanischen Feuersalamander, Salamandra algira, ist wenig bekannt. Daher haben wir 1995 mit der Beobachtung dieser Art begonnen. 1998 wurde in Gersfeld der marokkanische Feuersalamander vorgestellt. Nun wurde der Lebensraum gezeigt und die erste gelungene Nachzucht der vollmolchgebärenden Art präsentiert.

Freilandbeobachtungen
Marokko haben wir zweimal besucht (Dezember 1998 und Februar 1999). D. D. BARROSSO hat das Gebiet häufiger besucht. Im Dezember 1998 haben wir uns auf das Gebiet in der Umgebung von Chefchaouen konzentriert. Hier fanden wir in sehr kleinen Tümpeln Larven von Salamandra algira zusammen mit anderen Amphibienarten wie Discoglossus pictus, Rana saharica und Hyla meridiona/is. In den Bächen war fast kein Wasser vorhanden, weil es kaum geregnet hatte. Im Februar 1999 haben wir nochmals an verschiedenen Stellen gesucht, wobei wir auch neue Fundorte entdeckt haben. Immer wieder haben wir auch Alytes-maurus-Larven zusammen mit den Feuersalamanderlarven gefunden.

Vollmolchgeburt
Schon 1998 haben wir die Vermutung geäußert, dass die nördlichen Tiere vollmolchgebärend sind. Begründung: Wir fanden niemals Larven. Auch in der Literatur ist kein Larvenfund aus dieser Region bekannt. Eine Wasseransammlung haben wir viermal aufgesucht (Dezember 1997, Januar 1998, Dezember 1998 und Februar 1999), und niemals waren Larven vorhanden. Allerdings haben wir nachts an derselben Stelle adulte Tiere gefunden. Seit zwei Jahren wird ein Pärchen im Terrarium gepflegt. Im Dezember 1998 wurden Paarungen beobachtet, am 2. Januar 1999 fünf völlig metamorphosierte Jungtiere geboren. Eines war ertrunken. Zwei Monate später wurden von demselben Weibchen wieder fünf Jungtiere geboren; wieder war eines ertrunken.

Vorsichtige Schlussfolgerung
Wir haben nur eine registrierte Beobachtung, dass Salamandra algira vollmolchgebärend ist. Wir wissen aber, dass JAVIER MARTINEZ aus Ceuta (pers. Mitt.) auch eine Geburt beobachtet, aber nicht' dokumentiert hat. Daher glauben wir annehmen zu können, dass die Art insgesamt überwiegend vollmolchgebärend ist. Bezogen auf die Fortpflanzung kommt Salamandra algira Salamandra s. bernardezi am nächsten, weil die Größe und die Anzahl der Jungtiere übereinstimmen.
Lebendgeburten bei Schwanzlurchen sind oft verbunden mit einem " harten Leben " im Hochgebirge (Salamandra lanzai, Salamandra atra). Aber sowohl bei Salamandra s. bernardezi als auch bei Salamandra algira handelt es sich um Populationen auf Meereshöhe - was auch für viele Mertensiella luschani-Populationen gilt. Bei diesen Formen hat das " harte Leben " wohl ursprünglich eher mit Wassermangel zu tun.

Quelle: elaphe 8 (2000 ) Heft 2

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