Feuer- und Alpensalamander im Terrarium
von Karl-Heinz Stein

In Ausgabe drei dieser Zeitschrift berichtete ich über einheimische Molcharten, die zur Paarungszeit das Wasser aufsuchen. Daneben gibt es in unserer Heimat noch zwei weitere Mitglieder aus der Familie der Schwanzlurche, die aber ständig an Land leben. Es sind dies der Feuersalamander (Salamandra salamandra) und der Alpensalamander (Salamandra utra). Beide können in Terrarien gepflegt werden.
Eine passende Behausung lässt sich mit wenig Mühe einrichten. So ist zum Beispiel ein größeres Aquarium durchaus geeignet, wenn man zur besseren Luftzirkulation eine Seitenscheibe teilweise durch ein feinmaschiges Drahtgitter ersetzt. Ein Teil der Abdeckung wird ebenfalls aus solchem Material hergestellt. Mit dem Auflegen einer Glasscheibe auf das obere Drahtgitter kann die Luftfeuchtigkeit in diesem Terrarium stets 'so geregelt werden, dass sie den Anforderungen der Tiere gerecht wird.
Entsprechend den Lebensgewohnheiten der Tiere verwandelt man das Terrarium in ein Stück feuchten Waldboden. Die Grundlage bildet eine wasserdurchlässige Schicht aus Tonscherben, grobem Kies und ähnlichem, zweckentsprechendem Material. Darauf bringt man eine Mischung aus Torfmull und Lauberde. Wurzelwerk, umrahmt von Walderdbeeren, dem ausdauernden Efeu und kleinen Farnen, stellt die Waldatmosphäre her.
Unter den Moospolstern und Rindenplatten, mit denen der Boden belegt wird, können die Tiere ihre Versteckplätze anlegen. Eine ganz flache Tonschale (großer Blumentopfuntersatz) dient als Wasserbehälter. In diese Schale legen wir zudem noch einige Steine. Der Schalenrand verschwindet unter den Moospolstern, damit er die Illusion der Waldbodenlandschaft nicht stört. Keinesfalls sollte etwa eine Glasschale den Tonbehälter ersetzen. Die Tonschale hat nämlich den Vorteil, stets ein wenig Wasser durchzulassen. So entsteht unter dieser Schale ein feuchteres Plätzchen, das von den Tieren hin und wieder gern aufgesucht wird.
Das fertig eingerichtete Terrarium muss feucht und kühl gehalten werden. Feucht ist aber keineswegs mit nass zu verwechseln. Es genügt, wenn die Erde in feuchtkrümeligem Zustand bleibt. Sie darf weder austrocknen noch nass und schlammig sein. Wenn täglich mit dem Zerstäuber gesprüht wird, hat man bald die richtige Wassermenge herausgefunden.
Wer einmal einige Tage verreisen will, der muss sich deswegen nicht den Kopf zerbrechen. Vor der Abreise wird die Tonschale einfach bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Die Tiere kriechen hindurch und schleppen dabei immer ein wenig Wasser heraus. Schließlich bleibt der feuchte Platz unter der Tonschale auch dann noch, wenn das übrige Terrarium schon ein wenig trockener ist. Gelegentlich geht es also auch einmal so.
Die Fütterung ist nicht ganz so einfach. Hartschalige Insekten kann man den Tieren nicht anbieten. Auch die als Futtertiere so beliebten Mehlwürmer scheiden bei diesen zarten Pfleglingen aus. Dagegen können Larven, Raupen, Schnecken, Regenwürmer oder Wurmstücke, Asseln und kleine Wolfsspinnen unbedenklich gereicht werden. Tubifex oder rote Mückenlarven, die man auf einem angefeuchteten Stein auslegt, werden von den Tieren ebenfalls genommen, wenn sie diese Art der Fütterung erst einmal kennen gelernt haben.
Als Winterfutter und auch als Zukost lassen sich die verschiedensten Futtertiere selber heranziehen. Enchyträen sind zum Beispiel ein sehr gutes Futter. Daneben werden die Mehl- und Wachsmotten, vor allen Dingen deren Larven, gern gefressen. Ein kleiner Vorrat an Regenwürmern, der in einer Kiste mit feuchter Erde im Keller untergebracht ist, kann den Speisezettel ergänzen. Zur Not nehmen die Tiere auch einmal in feine Streifen geschnittenes Fleisch oder Leberstückchen an, wenn man dieses Futter vor ihnen mit der Pinzette ein wenig in Bewegung bringt.

Wer über keine Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügt, der sollte die Tiere nicht kalt überwintern. Obwohl alle Molche und Salamander unserer Heimat in den Wintermonaten eine Ruheperiode durchmachen, schadet es ihnen weniger, wenn sie bei sachgemäßer Pflege warm überwintern, als eine wenig beaufsichtigte, kühle Überwinterung. Leicht könnten die Tiere dann für immer einschlafen. ***
Sehen wir uns die beiden Arten nun einmal genauer an. Der Feuersalamander ist wohl der bekanntere. Als Warenzeichen einer Schuhfabrik hat ihn gewiss schon jeder gesehen. Wer das lebende Tier in der freien Natur beobachten will, dem darf es nichts ausmachen, während oder kurz nach einem Regenguss die Orte aufzusuchen, an denen Salamander leben. An manchen Stellen kann man sie dann in großer Anzahl über Moospolster und Wege kriechen sehen. Die Geschlechter sind schwer zu unterscheiden. Da eine Zucht im Terrarium nur unter allerbesten Pflegebedingungen gelingt, muss man darauf auch nicht sonderlich achten. Zwei bis drei gleichgroße Tiere können für das Terrarium ausgewählt und mitgenommen werden. Mehr sollten es nicht sein. Da unsere einheimischen Schwanzlurche zum Teil den Schutz des Gesetzes genießen, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass nur der Fang für den Eigenbedarf bei berechtigtem Interesse gestattet ist ***. Nicht erlaubt ist dagegen der Handel mit den Tieren. Feuersalamander, Laubfrösche und ähnliche Tiere, die der Zoohandel regelmäßig anbietet, stammen aus anderen europäischen Ländern.
Beim Feuersalamander gibt es neben der bekannten, gelb und schwarz gefleckten oder gestreiften Form, auch einmal völlig schwarz oder ganz und gar gelb gefärbte Tiere. Wir finden sie allerdings selten. In Südeuropa kann man Feuersalamander antreffen, bei denen die gelbe Farbe teilweise von einer orange bis roten Färbung ersetzt ist.

Der kohlschwarze Alpensalamander ist ein heikler Pflegling im Terrarium. Wer sein Glück mit ihm versuchen will, der sollte schon über einige Erfahrungen in der Pflege von Amphibien verfügen. Er ist etwas zierlicher als der Feuersalamander.
Wärme behagt beiden Arten nicht. Es ist empfehlenswert, das Terrarium samt Insassen an heißen Sommertagen im Keller oder an einem ähnlichen kühlen Ort unterzubringen.
Während die Feuersalamanderweibchen ihre kiementragenden Larven in das Wasser absetzen, ohne dieses Element selber aufzusuchen, wie die Molche, ist der Alpensalamander vom Wasser völlig unabhängig geworden. Die Weibchen bringen ihre Jungen (zumeist zwei) als fertig entwickelte Salamander zur Welt. Wem es gelingt, die ausgewachsenen Tiere so zu pflegen, dass sie im Terrarium züchten, der wird es auch schaffen, die kleinen, empfindlichen Salamander aufzuziehen. Meinen eigenen Zuchtversuchen mit Alpensalamandern war kein Glück beschieden, dagegen gelang mir die Aufzucht der Feuersalamander schon häufiger.

Quelle : Karl - Heinz Stein

***Anmerkung Michael Schantz : für die Zucht ist eine Überwinterung unabdingbar und birgt auch keine großen Risiken wenn grundlegende Richtlinien beachtet werden. Außerdem ist das entnehmen der Tiere aus der Natur verboten.

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