Krankheitsbericht von einem an Pseudomonas aeruginosa erkrankten
juvenilen Feuersalamander im Juni 2003

Art: Salamandra salamandra (Nominatform)
Größe: ca. 40mm lang (Kopf-Rumpflänge)
Gewicht: ca.4g
Geschl.: juvenil (Jungtier)
Alter: geb. im Mai 2002; ca.1Jahr alt
Pfleger: Andreas Kirchner

Bericht:

06.06.03 Befund: Der Salamander verhält sich merkwürdig. Zeigt kaum Mobilität, realtiv
apathische Reaktion und sein Fressverhalten ist unnormal. 2 weitere Jungtiere im
gleichen Terrarium wiesen keine Symptome auf und sind auch nicht
wie nachfolgend an dem Erreger erkrankt.


10.06.03 Erste Anzeichen für eine Hautveränderung am rechten Vorderbein. Dieses wies eine
blasgraue Verfärbung auf. Nachfolgend bis zum 16.06.03 verschlimmerte sich diese
lokale Entzündung. Ich fasse deshalb diesen Zeitraum zusammen. Das Bein schwoll
durch die Infektion stark an und der Salamander hatte bei Berührung schmerzen.
Nach ca. 2-3 Tagen begann die Extremität zu degenerieren, so das die Zehen nach
hinten umgeklappt waren. Das Tier zog das Bein beim fortbewegen nach und bewegte
sich von nun an kaum noch. Ebenfalls trat eine sichtbare rötliche, punktförmige
Hautstelle im bereich des Mundwinkels unterhalb der Drüse auf. Genau auf der Seite
welche die Infektion hatte. Diese Erscheinung machte mir nicht den Anschein das
sie morphologischer Natur zu sein schien und ich sie deshalb als Septikämie deutete.
Da meist in diesem Zusammenhang solche Anomalien auftreten und rötliche Punkte
als erste Symthome auch bei Red-Leg-Disease in Erscheinung treten, war hier die
Lage sehr unklar aber ziemlich bedenklich ob das Tier überhaupt diese Erkrankung
überleben würde, da es für sein Alter recht schwach zu sein schien.
Darum leitete ich die sofortige Quarantäne ein und reinigte sein Behältnis täglich.
Küchenvlies der Marke" Tip" chlorfreigebleicht, wurde täglich erneuert. Die Wasser-
schale wurde täglich gereinigt, ich benutzte aufbereitetes Aquarienwasser.
Zusätzlich bekam er Multivitamine und Mineralien über Badelösung verabreicht.
Ich setzte das Tier bewusst kühler welches ein fortschreiten des Infektion unterbinden
sollte (mittels Kühlakkus) auf ca. 10-12°C. Zudem verordnete ich dem Tier eine lokale
Badelösung die für Red-Leg-Disease bestimmt war. Eine Mobilität war kaum vor-
handen und das Fressverhalten mäßig. Die Kotabgabe war nicht mehr vorhanden,
es schied halbverdaute Nahrung wieder aus.

(Badelösung bei Red-Leg-Disease aus dem Fachbuch"Krankheiten der Amphibien und
(Reptilien"; Ulmer Buchverlag; DATZ-Terrarienbücher)
(dazu der Auszug: 6g NaCl; 12mg Ciprofloxacin; 20mg Gentamicin; 10000 I.E.
(Nystatin; 1ml Amprolium 3,84%; 1mg Vitamin K; wurde schon erfolgreich bei
(Jungsalamandern angewendet. Die Badelösung ist für 1000ml; gelöst in dest. H2O)

Im einzelnen bewirken die verschiedenen Substanzen der Lösung, wie folgt:

NaCL = Isotonisierung; Ciprofloxacin = Antibiotikum; Gentamicin = Antibiotikum;
Nystatin = Antimykotikum; Amprolium = gegen Trichomonas (Protozoen) - gegen
Kokzichiose (Sporozoen); VitaminK = bei Blutungsgefahr wegen VitaminK Mangel.

Die Badelösung welche ich 2* täglich anwendete hatte keinen Erfolg gebracht,
denn es war bis zum 15.06.03 nicht der Anschein einer Besserung in aussicht, so das
ich in diesem Fall gezwungen war, ärztlichen Rat einzuholen.


16.06.03 Fahrt zur TH-Hannover und Untersuchung des Tieres. Mit Absprache von Herrn Dr.
Mutschmann/Berlin, wurde die defekte Extremität amputiert und eingeschickt. Anbei

ebenfalls eine Kotprobe vom heutigen Tag. (Nur kühl halten, nicht einfrieren!)
Bedenklich so die TÄ Fr. Mathes, stimmte sie meine Vorabmedikation der oben
erwähnten Badelösung, da eventuell die eingesendete Probe verfälscht sein könnte
und somit die genaue Analyse unklar ist, um den Keim genau zu ermitteln.

In der Zeit bis zum 26.06.03 erfolgte dann nach Anweisung folgende vorab Therapie:

1. Wunde täglich min. 3* mit Lebertran-A Salbe betupfen.
2. Küchenvlies 3*täglich erneuert.
3. Quarantänebehälter und Gegenstände 1*täglich gereinigt.
4. destilliertes Wasser benutzt.
5. Vitamine+Mineralien über Bad 1*täglich verwendet.
6. Alle 2-3 Tage Fütterung (abwechslungsreich)
7. Haltungsbedingungen optimiert (Temperatur im Klimaraum ca. 18°C)

Im Behälter ca. 15°C.

17.06.03 Bei der anschließenden Häutung traten keine Probleme auf. Die Haut wurde
vollständig abgestreift.

18.06.03 Wunde gut verheilt. Tier frißt und ist mobil.

24.06.03 Leichte Hautveränderung des linken Vorderbeines die besagte blasgraue Verfärbung
des gelben Flecks am Zehen/Fuß Ansatzbereich.

25.06.03 Die Anomalie verschlimmert sich, ist aber nicht so stark ausgeprägt wie am rechten
Bein. Das fortschreiten der Infektion verläuft etwas langsamer.

26.06.03 Untersuchungsergebnis der TH-Berlin; von Hr.Dr. Mutschmann. Der Erreger ist lokali-
siert und eine Antibiotische/Antimykotische Therapie wird vorgeschlagen.

1. Pseudomonas aeruginosa (starker Befall)
2. haemolysierende Streptokokken (mittlerer Befall)

27.06.03 Rücksprache mit der TH-Hannover/ Abteil. kl. Haustiere Fr. Dr. Mathes.
Weitere Erkrankung geschildert und mit Ihr über die weitere Behandlung
gesprochen. Eine Therapie ist ratsam. Rezept wird mir zugeschickt.

28.06.03 Rezept erhalten und Medikamente besorgt.
1. Ciloxan (Augentropfen) Wirkstoff: Ciprofloxacinhydrochlorid gegen die Bakterien
2. Canesten (Salbe) Wirkstoff: Clotrimazol gegen die Pilze
1*tgl. 1tropf. Ciloxan und ca. 6h später Canesten-Salbe auftragen.
1+2 auf die veränderten Hautstellen.

Zudem wurde die Sicherheitspflicht verstärkt und Einmal-Latex-Handschuhe verwendet.
Anschließend wurden die Hände desinfeziert mit Sterillium.
Und dann gründlich gewaschen.
Bis dato trat dieser Erreger nur bei diesem einen Tier auf, meine anderen Salamander
wurden im gesamten Zeitraum alle 1-3 Tage untersucht.

12.07.03 Die Therapie wurde bis jetzt im täglichen Wechsel vollzogen. Der Bodengrund ebenfalls
täglich erneuert. Dest. H2O weiterhin verwendet. Bad in dest. H2O mit Vitaminen+
Mineralien zur Stabilisierung des Immunsystems angewendet.
Futter weiterhin abwechslungsreich alle 2-3 Tage mit Pinzette zugeführt um die
Nahrungsaufnahme zu kontrollieren.
In diesem Zeitraum erfolgte noch eine Häutung. Eine weitere Verschlechterung im
Krankheitsbild war bis jetzt nicht zu erkennen.
Die blasgraue Verfärbung ging langsam zurück und es sah beim baden so aus, als
würden die Zehen transparent wirken. Man konnte bis auf die Knochen sehen.
Es war keine degenerierende Einschrumpfung der Zehen oder des Fußes (abfaulen)
sichtbar. Die rötliche Stelle wie erwähnt, nicht mehr so ausgeprägt wie zu Anfang.
An der Wunde ist schon Ansatzweise ein kleiner Stummel eines regenerativen
Prozesses erkennbar.

10.08.03 Die transparentwirkende Hautstelle im Zehenbereich ist wieder völlig schwarz, der
gelbe Fleck der gräulich war, hat sich nun sattgelb umgewandelt.
Die letzte Häutung erfolgte vor ca. 5 Tagen. Mobilität ist mäßig. Futter wegen der
Hitzeperiode etwas eingeschränkt 1-2* pro Woche. Kot normal aber unregelmäßig in
Bad abgegeben.
Therapie nur noch alle 2-3 Tagen angewendet um eine Superinfektion zu verhindern.
Vitaminbad siehe Therapie, war immer begleitend. Ab dem 25.08.03 die Therapie
nur noch einmal wöchtlich angewendet, um die Haut nicht mehr sonderlich zu schädigen.

07.09.03 Keine weiteren negativen Veränderungen im Erscheinungsbild. Bein wächst nach.
Futteraufnahme gut. Kot normal, weiterhin Abgabe nur im Bad. Häutungen normal.
Bewegung kaum, sitzt hauptsächlich unter seinem Versteck. Der Salamander ist
ein wenig gewachsen. Die Mobilität beruht wahrscheinlich darauf, das der Salamander
seine Energie schont, um das Wachstum des Beines zu begünstigen, oder aus Instinkt
auf Grund der bestehenden Wehrlosigkeit im Fluchtverhalten.
Die punktförmige rote Stelle ist noch etwas vorhanden, welches aber unklar bleibt, ob
überhaupt ein Zusammenhang mit der Infektion besteht. Denn bei anderen juvenilen
Salamandern konnte ich schon beobachten, daß sich diese Anomalie nach kurzer Zeit
verschwärzte. Vielleicht sind es aber auch pysiologische Haltungsbedingte Anomalien
die als Stressreaktion zum Vorschein treten. Auch können Farbkleidumwandlungen
die das Tier durchmacht veranwortlich sein, aber auch dieses ist mir unklar. Ebenfalls
kann auch eine Mangelerkrankung dahinterstehen. Eine Infektionkrankheit möchte ich
zweifelsohne ausschließen, da ja sonst alle Tiere in meiner Zucht befallen wären. Aber
gerade nur juvenile bis etwa 1jährig wiesen diese Symthome auf. Sollte eine ernsthafte Er-
krankung dahinter stecken, dann hätten ja schließlich alle Salamander diese Anomalien.
Da das aber nicht der Fall ist, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, vermute ich das
es doch morphologische Erscheinungen im Farbkleid sind. Es wäre sehr schön, wenn dies
geklärt werden könnte.

09.09.03 Abschlußuntersuchung in der TH-Hannover bei Fr. Dr. Mathes der behandelnden TÄ.
Die Therapie wird eingestellt. Trotz der Krankheit hat er Gewicht zugenommen, ca. 2g
(Gewicht ca.6g). Der Salamander ist wieder gesund, wie ich es auch vermutet hatte. Über
die rötliche, punktförmige Anomalie wußte Sie auch nichts näheres. Diese scheint aber in
keinem Zusammenhang mit der Erkrankung zu stehen. Das Tierchen hat Sie dann noch
fotografiert. Auch hat Sie von mir noch diesen Krankheitsbericht bekommen. Damit
schließe ich dieses Angelegenheit. Bleibt mir nur noch ein kurzes Resümeè zu ziehen.

Ergebnis:

Bei diesem juvenilen Feuersalamander der Art Salamandra salamandra, hatte sich im laufe
der Zeit, infolge Haltungsbedingter Unstimmigkeiten eine exogene, destruktive Infektion
der Vorderextremitäten ergeben. Vermutlich spielten hier auch immunologische Faktoren
eine gewichtige Rolle, was die bakterielle Infektion durch Pseudomonas aeruginosa und der
Streptokokken nur begünstigte. Da das Allgemeinbefinden aber noch recht gut intakt war
und ich die Infektion rechtzeitig erkannte und auch behandelte, kam es zu keinen weiteren
Komplikationen. Auch in der Hinsicht das meine anderen Feuersalamander gänzlich ver-
schont blieben, zeigt das der Erreger durch die notwendige Sorgfaltspflicht und Sicherheit
eingegrenzt werden konnte. Eine Übertragung mit der Hand war also auszuschließen.
Letztlich stellt sich noch die Frage, ob eine Kontaminierung über die Luft denkbar ist, was
möglich war, aber durch das wohl meine Klimafilter diese Bakterien aufgefangen haben und
so neutralisierten. So konnte ich die Keime nicht weiter übertragen, obwohl das Quaran-
tänebehältnis den ganzen Zeitraum im Klimaraum mit den anderen Salamandern Kontakt
hatte.
Ich halte diesen Bericht über eine bakterielle Infektion durch Pseudomonas aeruginosa und
Streptokokken für Mitteilungswürdig in Sinne aller Salamanderfreunde und Molchler.
Ähnliche Erkrankungen dieser Art, so wie z.B. durch Aeromonas hydrophila der die
Red-Leg-Disease auslösen soll, verdienen allgemeine Aufmerksamkeit und Beachtung.
Auch möchte ich zum Schluß davon abraten, selbst bei einer solchen schweren Erkrankung
an einem Salamander herumzudoktern. Eine mikrobiologische Untersuchung ist hier
unbedingt notwendig. Bei der vielfalt der Erreger die es gibt, sind Krankheitssymthome
oft ziemlich ähnlich, aber es gibt in der Hinsicht darauf gewisse Resistenzen auf die Keime.
So weiß man im enteffekt auch nicht, welche Therapie mit welchem Medikament anschlägt
und vielleicht Erfolg auf Heilung hat.
Gerne reiche ich auch auf Wunsch die Adresse und die Telefonnummer der TH-Hannover
von Fr. Dr. Mathes weiter.

Autor: Andreas Kirchner; Sägemüllerstr.26; 38678 Clausthal-Zellerfeld/Oberharz
im Juni 2003.Tel.: 0175/3866011; E-mail: www.baeumeschupser@web.de

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