Als erstes möchte ich darauf hinweisen , daß viele Krankheiten auch bei Froschlurchen und anderen Salamandern / Molchen vorkommen können und deshalb NICHT nur spezifisch den Feuersalamander betreffen. Natürlich werde ich Beiträge mit Krankheitserscheinungen und Behandlungen speziell über den Feuersalamander gerne hier veröffentlichen. Ich bitte deshalb um die Mithilfe vieler Halter zu diesem Thema. Hier am Anfang gleich einige Berichte, die ich noch gefunden habe, diese können jedoch zum Teil schon etwas älter sein.
Als Hauptursache für Krankheiten von Amphibien in Terrarien müssen schlechte oder nicht artgemäße Unterbringung, falsche oder mangelhafte Ernährung und Mängel bei der Reinhaltung und Hygiene angesehen werden. Unter derartigen Bedingungen wird die Widerstandskraft der Tiere geschwächt, sie werden anfällig für Krankheitserreger. Ebenso können in Streßsituationen normalerweise nichtpathogene Mikroben den Ausbruch einer Krankheit fördern.
Neu erworbene Tiere können einen Tierbestand gefährden. Sie müssen deshalb vorerst in ein Quarantänebecken überführt werden, das eine bessere Kontrolle der Tiere ermöglicht und auch leicht zu säubern ist. Nach einer ersten Untersuchung der Körperbeschaffenheit ( besonders auf Wunden, Verpilzungen u.ä. an den Extremitäten und Augen ) interessieren Nahrungsaufnahme, Kotabgabe, Häutungen und auch die Ausführung arttypischer Verhaltensweisen. Hygiene im Quarantänebecken schließt alle terrarientechnischen Geräte und Materialien ein, die nach der Benutzung gründlich gereinigt und möglichst desinfiziert werden.
Das Thema Krankheiten wird hier in vier Kategorien unterteilt nämlich in : Infektionskrankheiten, Parasitäre Erkrankungen, Stoffwechselkrankheiten und Sonstige Erkrankungen.
Infektionskrankheiten :
Die größten Verluste an Amphibien werden zweifellos durch Infektionskrankheiten hervorgerufen. Dabei ist an erster Stelle die Septikämie der Frösche, gemeinhin als Redleg - Seuche bezeichnet, zu nennen. Der Erreger, Aeromonas hydrophilus, gehört zu den gramnegativen Bakterien. Diese Erkrankung, meist im Herbst auftretend, ist neuerdings auch von Schwanzlurchen der Gattung Furchenmolche ( Necturus ) und Querzahnsalamander ( Ambystoma ) bekannt. Mich würde auch hier speziell interessieren, ob auch beim Feuersalamander schon diese Redleg - Seuche beobachtet wurde ?! Das Krankheitsbild des Redleg zeigt Körpermasseverlust, verminderte Aktivität, Freßunlust und dumpfe Hautfärbung. Später kommen bei dieser meist tödlich endenden Seuche Hautblutungen, Krämpfe und Blutspucken hinzu. Die Bezeichnung Redleg bezieht sich auf die Blutungen der Haut im Bereich des Bauches und der Hinterbeine. Eine endgültige Diagnose ist nur durch eine Blutkultur möglich. Alles bis auf das Blutspucken konnte ich vor etwa 10 Jahren an einem Tier bei mir selbst beobachten, das auch nach mehreren Bädern mit einer Kaliumpermanganatlösung schließlich doch einging. Ein Petersiliengeruch wie bei der Molchpest, war in diesem Fall nicht zu erkennen / riechen. Bei Ausbruch der Seuche sind alle Tiere eines Behälters sofort aus der Zuchtanlage zu entfernen, die erkrankten Tiere müssen dabei ausgesondert werden. Die Behandlung bereitet oft Schwierigkeiten, da die häufig angewandte Methode ( Sulfonamid - Bäder, 200 ml/l über mehrere Wochen täglich wiederholt ) die Amphibien schädigt. Eine wirksame Bekämpfung wurde durch Eingabe von Tetracyclin / 1 mg Tetracyclin gelöst in Aquadest.pro 6 g Körpergewicht ) über einen Magenkatheder erreicht. Wie oben erwähnt, würde mich sehr interessieren, ob einige Halter diese Symptome auch schon bei Feuersalamandern beobachten konnten.
Parasitäre Erkrankungen :
Die Amphibien enthalten eine große Zahl von Ein- und Mehrzellern, die als Parasiten oder Kommensalen auftreten. Diese Organismen kommen auch im Freien auf oder in ihren Wirten vor, ohne diese grundlegend zu schädigen. Unzulängliche Haltungsbedingungen können dagegen das Wirt - Parasit - Verhältnis verändern, das natürliche Gleichgewicht verschiebt sich, und es kann zu Erkrankungen der Wirte kommen, die nicht selten tödlich enden. Deshalb ist immer auf große Sauberkeit im Terrarium zu achten !!!
Stoffwechselkrankheiten :
Eine der Haupttodesursachen der in Terrarien gehaltenen Amphibien besteht darin, daß den Tieren über längere Zeiträume nicht die artgemäße Nahrung geboten wird. Das betrifft weniger die Nahrungsmenge als vielmehr die qualitative Zusammensetzung des Futters einschließlich der Mineralstoff- und Vitaminversorgung. Dem Tierhalter ist es nahezu unmöglich, für alle Arten ein natürliches Futterangebot bereitzuhalten. Deshalb sind Kompromißlösungen stets notwendig. Dabei sollte der Entwicklungsstand der Terrarientiere berücksichtigt werden. Treten bereits in der Larvenentwicklung Mangelerscheinungen auf, wird die anschließende Metamorphosephase oftmals nicht überstanden. Die am meisten auftretenden und am besten untersuchten Mangelerscheinungen bei Amphibien sind Störungen im Knochen - und Calciummetabolismus. Die Ursache dafür liegen meist in falscher Fütterung. Tiere, die ausschließlich Fisch, Leber oder Mehlkäferlarven erhalten, neigen zu verdickten oder gebogenen Knochen der Kiefer, der Wirbel, des Beckens oder der Extremitäten. Eine so einseitige Ernährung führt zu Calciummangel oder einem gestörten Calcium - Phosphor - Verhältnis, wodurch sekundär eine Überfunktion der Nebenschilddrüse hervorgerufen werden kann. Die Folge sind verschiedene Formen rachitischer Erkrankungen.
Sonstige Erkrankungen :
Die in dieser Kategorie zusammengefaßten Krankheiten der Amphibien sind zu Teil bedingt durch elementare Haltungsfehler. Der Terrarianer kann diese Ursachen relativ schnell beheben. Daneben gibt es aber eine Reihe von Erkrankungen, die zwar typisch für Amphibien, deren Ursachen aber noch vielfach ungeklärt sind. Jeder Terrarianer kann durch gezielte Analysen der Ursachen und des Verlaufes von Erkrankungen der Terrarientiere mithelfen, das Wissen auf diesem Gebiet zu vergrößern.
Krankheitsverläufe von Halter über Behandlungen / Erfolge / Todesursachen usw. werden von mir gerne am Ende der Tabelle veröffentlicht !!!
Infektionskrankheiten :
| Krankheit | Ursache | Behandlung |
| Tuberkulose | Umwelteinflüsse ( z.B. mangelnde Ernährung ), Sekundärerkrankungen : Abmagerung, Trägheit, Geschwüre und Wunden auf der Haut, Knötchenbildung an Organen | optimale Haltung und Ernährung, kombiniert mit Multivitaminpräparatgabe ( Verabreichung über Futtertiere ) |
| Redleg - Seuche | Bakterielle Infektion ( Aeromonas hydrophilus ) : Trägheit, Blutansammlungen in der Bauchhaut und an den Hinterbeinen, Blutspucken | Gabe von Tetracyclinhydrochlorid ( 3 mg/l ) als Badelösung oder oral über ein Katheder. Chloramphenicol ( 100 mg/kg Körpermasse ) über Futtertiere verabreicht |
| Erkrankungen durch Pilzbefall | meist Sekundärinfektion durch Saprolegnia - Arten bei Mangelerscheinungen : Hautveränderungen, Augentrübung, Verpilzen von Körperteilen ( oft Kiemen ) |
Parasitenbefall :
| Infektionen der Haut durch Protozoen | Befall mit Oodinium pillularis ( Flagellat ), Trichodina spec. und Carchesium ( Ciliaten ) : Hauptveränderungen, Trübungen der Augen, grauer Belag auf den Kiemen | Bad in Kaliumpermanganatlösung ( Verdünnung 1 : 100 000 ) oder in Kupfersulfatlösung ( 2 mg/l Wasser ) |
| Zystenbildungen der Haut | Befall mit Dermocystidium ranae ( Sporozoen ) : Bildung von Hautzysten | unbekannt |
| Wurmbefall Bandwürmer ( Cestoden ) | Nematotaenia dispar und Ophiotaenia filaroides : allgemeine Schwächung, Geschwürbildungen und Verstopfung | Chloroquindiphosphat in Futtertier injiziert (ebenso Bromphenol) |
| Saugwürmer ( Trematoden ) | Alaria spec. ( Digena ), Polystoma intergerrinum ( Monogena ): allgemeine Schwächung, Nekrosen von Geweben, Auftreibung des Körpers, Gleichgewichtsstörungen | Resochingaben über Futtertiere ( 30 bis 50 mg/kg Körpermasse) Radeverm ( 100 bis 250 mg/kg Körpermasse |
| Fadenwürmer ( Nematoden ) |
Axcaris, Dioctophyma, Spirurus : allgemeine Schwächung, Gewebeschäden, sekundäre Geschwürbildung |
Chloroquindiphosphat über Futter ( 100 bis 300 mg/kg Körpermasse ) |
Stoffwechselkrankheiten :
| Entwicklungsstörungen | genetische Defekte, Mangel an Spurenelementen, Vitaminen, Proteinen | schwierig ( Eignung des Tiermaterials zur Vermehrung prüfen ) |
| Jodmangel | Schilddrüsenunterfunktion : Metamorphosestörung, Riesenwuchs | schwierig |
| Vitamin - Mangel - Erscheinungen A | geschwürartige Wunden an den Hinterextremitäten und Zehen, Augenentzündungen, Häutungsschwierigkeiten | baden in Lebertran, bei Landformen Wunden und Augen mit Lebertran betupfen, Futtergaben mit Vitamin A |
| Vitamin - Mangel - Erscheinungen B | Lähmungen, Krämpfe, unkoordinierte Bewegungen ; allgemeine Wachstums-, Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen | Vitamin-B-Komplex mit dem Futter verabreichen |
| Vitamin - Mangel - Erscheinungen D | rachitische Erscheinungen, weiche Knochen, Knochendeformationen, Scheingelenke, lahmes Nachziehen der Beine | vorbeugend und bei ersten Symptomen Vitamin D mit dem Futter sowie regelmäßig Kalk-Mineralstoff-Gemisch verabreichen, Überdosierung jedoch vermeiden. |
| Vitamin - Mangel - Erscheinungen E | Fortpflanzungsstörungen, Sterilität, Störungen der Embryonalentwicklung | auf ausreichenden Vitamin-E-Anteil im Multivitaminpräparat achten |
| Vorbeugend | regelmäßig Multivitaminpräparate mit dem Futter verabreichen |
Sonstige Krankheitserscheinungen :
| Molchpest | unbekannte Ursache : Bewegungsunlust, Hautpusteln, Geschwüre, " Petersiliengeruch " | Bad in Kaliumpermanganatlösung ( 1 : 100 000 ), Aussondern erkrankter Tiere |
| Häutungsfehler | Haltungsfehler : Hautfetzen bilden Knoten und Ringwülste | Kamillebäder, Multivitaminpräparate im Futter, vor allem Vitamin A |
| Wassersucht | vermutlich Mangelerscheinung : Flüssigkeitsansammlung unter der Rumpfhaut, seltener der Extremitäten, Bewegungslosigkeit | kaum möglich, im Anfangsstadium hilft Punktion mit steriler Nadel, Haltungsbedingungen und Futter ändern |
| Fettleber | eventuell nach überstandener Infektionskrankheit | unbekannt |
| Tumoren, Geschwülste | Virusinfektion, Umweltbelastung : Knotenbildung, Melanome und Papillome, bevorzugt an Leber und Niere, Störung der Fortpflanzung | unbekannt |
| Vergiftungen | Haltungsfehler : krampfartige Zuckungen, Bewegungsunlust, Lähmungserscheinungen | Tiere gründlich abspülen, Umsetzen in anderes Terrarium |
| Verletzungen | Haltungs- und Handhabungsfehler : Verletzungen der Extremitäten, des Schwanzes oder der Haut | Bad in Kaliumpermanganatlösung ( 1 : 100 000 ), Wunden bestreichen mit Lebertran, Gabe von Multivitaminpräparaten |
Quelle:
Alle NICHT rot gekennzeichneten Wörter / Sätze / Passagen stammen aus dem Buch " Vermehrung von Terrarientieren " von Dr. Günter Masurat & Wolf - Rüdiger Große. Mit freundlicher mündlicher Genehmigung ( Telefongespräch vom Juni 2002 ) von Dr.Günter Masurat.