Interessanter Heilerfolg beim Feuersalamander
Im Juli 1956 erhielt ich einen großen weiblichen Feuersalamander in Pflege.
Das Tier war mit einem zweiten Exemplar von der iberischen Halbinsel importiert
worden. Der genaue Fundort war trotz aller Bemühungen nicht zu ermitteln;
demzufolge ist auch eine sichere Zuordnung der besagten Exemplare zu einer der
iberischen Feuersalamander-Subspezies nicht möglich. Die Größe
und Färbung der Tiere lässt auf Salamandra salamandra molleri oder
S.s.bejarae schließen. Leider war das eine Tier tot angekommen. Es wies
zahlreiche, stark nässende Geschwüre und Löcher im Körper
auf. Besonders stark war die Schnauze angegriffen. Das noch lebende Tier hatte
ebenfalls einige beträchtliche offene Stellen. Auf der Bauchseite waren
die Wunden erst stecknadelkuppengroß, dafür faulte ein Hinterfuß,
und es fehlten drei Zehen bereits völlig. Auch bei diesem Tier sah die
Schnauze besonders schlecht aus. Zunächst badete ich das Tier kalt in fließendem
Wasser. Diese Prozedur wurde oft wiederholt. Außerdem wurden die offenen
Stellen regelmäßig mit FormaIin-Fußpuder bestreut, ohne dass
sich eine sichtbare Veränderung des Zustandes einstellte. Da ich auf vier
Wochen verreisen wollte, richtete ich eine Holzkiste als Quarantäneterrarium
für das Tier ein, die in einer Gartenlaube Aufstellung fand. Leider vergaß
ich, Anweisungen für die Fütterung und Pflege des Salamanders zu geben,
so dass er ohne jede Wartung war. Als ich aus dein Urlaub kam, galt mein erster
Gang dem längst tot geglaubten Patienten. Ich hoffte, eventuell noch Skeletteile
zu finden. Die Erde in der Holzkiste war steinhart und ausgetrocknet, der Wassernapf
leer. Darunter saß der Salamander, völlig gesund! Die Wunden zeigten
noch frisches, helles Fleisch, waren aber verheilt, auch der Fuß. Die
Zehen wuchsen allerdings bis heute lediglich einen Millimeter als wenig differenzierte
Gebilde nach. Dieser Umstand behindert das Tier jedoch nicht. Es fraß
nach seiner Genesung sofort und ist heute noch wohlauf. Bemerkenswert ist noch,
dass der Salamander auch jetzt noch mit Vorliebe an trockenen Stellen im Terrarium
verweilt.
Quelle : F. J. Obst, Dresden-A. 28, Bünaustr. 41.