Enchytraeenzucht einfach gemacht

Nach nun fast vierjähriger intensiven Beschäftigung mit der Zucht von Enchytraeen möchte ich Ihnen ein saubere, geruchsfreie und vor allem pflegeleichte Methode zur Vermehrung dieser Futterwürmer vorstellen. Enchtraeen (Enchytraeus) leben in Komposthaufen, sind aber seit unzähligen Generationen in Kulturen vermehrt worden. Die weißen bis ca. 10 mm großen Würmer eigen sich hervorragend zur Fütterung besonders kleinerer Fischarten, aber durch den doch relativ hohen Fettanteil sollten Enchytraeen gezielt als Anzuchtfutter oder Beifutter eingesetzt werden. Als Alleinfutter über längere Zeit hinweg sind diese Würmer keinesfalls empfehlenswert.Als Zuchtbehälter erweisen sich Plastikdosen recht dienlich. Der Deckel wird mit vielen kleinen Luftlöchern versehen. Bei der nachfolgend vorgestellten Zuchtmethode sind zusätzlich Entwässerungslöcher am Boden unbedingt erforderlich. Diese Löcher verhindert stehendes Wasser im Behälter. Es ist stets darauf zu achten, daß die Oberfläche des Zuchtbehälters nicht luftdicht verschlossen sein darf.Als Substrat kann ich nach langjähriger Verwendung das im Gartenbedarfshandel erhältliche "Seramis" nur empfehlen. Das Substrat "Seramis" speichert Wasser in seiner Eigenschaft als Ton und hält somit die notwendige Feuchtigkeit im Zuchtbehälter über sehr lange Zeit aufrecht. Bevor man das "Seramis" aber in den Zuchtbehälter einfüllt, ist ein Spülung des Substrates unbedingt erforderlich. Durch dieses Reinigung wird der feine Tonstaub entfernt, der das Abzugsloch des Zuchtbehälters verstopfen kann.Die optimale Zuchttemperatur für Enchytraeen liegt zwischen 10°C und 16°C. Ab zirka 25°C besteht Lebensgefahr für die Zuchtwürmer. Kurzfristiger Temperaturabfall unter 10°C sind für die Würmer kein Problem, nur das Wachstum bzw. die Vermehrung wird auf eine Minimum eingeschränkt. Längere Temperaturen unter 5°C bedeuten aber über kurz oder lang den Tod des Zuchtansatzes. Als Futter für die Enchytraeenzucht hat sich "Kinderbrei"(ohne Zuckerzusatz-Gärungsgefahr) vermengt mit Wasser als recht erfolgreich herausgestellt. Jedoch ist ein Fütterung mit ähnlichen breiförmigen Nahrungsmitteln möglich (z.B. mit Wasser aufgekochten Haferflocken o.ä.). Auf Grund meiner Erfahrung ist aber das sogenannte "Taggerfutter" (Trockenpellets der Firma Tagger-Graz für die Karpfenzucht) das beste Zuchtfutter. Erstens ist es die einfachste und schnellste Methode und zweitens wachsen die Würmer unheimlich schnell. Ich empfehle die Pellets knapp unter die Oberfläche des Substrates einzuarbeiten. Ein Verteilung über den gesamten Zuchtbehälter ist gegenüber der punktförmigen Fütterung vorzuziehen. Zu große Futtermengen werden nicht von den Würmern aufgefressen und das Futter kann zu gären bzw. zu schimmeln beginnen und es zieht jede Menge von Milben an. Als erste Maßnahme sollte man die restlichen Futtermengen sofort aus dem Behälter entfernen und eine Woche den Würmern kein Futter bereitstellen.Bei mäßigen Befall durch Milben können Sie Abhilfe schaffen, indem man eine Futterrinne anlegen, ca. Daumentief, worin sich die Milben nach der Fütterung sammeln. Auch die Verwendung der Plastikhalbschalen von "Überraschungseiern" (befüllt mit Futter) eignet sich hervorragend um sauber und schnell eine große Menge der Milben zu entfernen. Milben sind für die Würmer aber nicht gefährlich, sie sind lediglich als Futterkonkurrenten anzusehen. Falls der Milbenbefall überhand nimmt, sollte der Zuchtansatz mit dem gesamten Substrat gut mit Wasser über ein Sieb abgespült werden.Für die Entnahme der Würmer hat sich "Wärmemethode" bewährt. Man entnimmt dem Ansatz eine Menge an Substrat und füllt dieses in ein eigenes Gefäß. Dieser Behälter wird in einem Wassertopf schwimmend langsam erhitzt. Durch die Wärmezufuhr steigen die Würmer nun an die Oberfläche und können leicht mit Hilfe einer Pinzette entnommen werden. Das nun warme Substrat wird über fließendes Wasser gespült und wieder dem Zuchtansatz beigefügt. Einmal im Jahr wird der Zuchtbehälter mitsamt dem Substrat mit Wasser gespült. Es erfolgt somit eine Reinigung des Seramis-Substrats und Ausscheidungen bzw. Futterreste werden aus dem Behälter entfernt. Nebenbei werden die inzwischen vielleicht schon verstopften Entwässerungslöcher gereinigt und auch die in kleinsten Mengen vorkommenden Milben werden entfernt. Als laufende Pflegearbeit kann Feuchhalten des Zuchtansatzen erwähnt werden. Auch eine längere Abwesenheit z.B. durch Urlaub kann ihre Zucht nicht gefährden. Bei optimaler Zuchtemperatur und gut befeuchteten Substrat können Sie ruhig mal den Zuchtansatz für bis zu vier Wochen sich selbst überlassen. Der Futtermangel über diese Zeit bringt den Zuchtansatz nicht um, lediglich die Vermehrung wird eingeschränkt.Der älteste Zuchtansatz in Seramis ist bei mir bereits drei Jahre alt und die dort gepflegten Würmer vermehren sich noch immer wie am Anfang der Testreihe. Gegenüber anderen Zuchtmethoden wird bei der "Seramis"-Variante das Substrat nicht durch die Zucht verändert bzw. zerstört. Einmal angesetzt und zwischen durch ein wenig gepflegt, sichert mir diese Zuchtmethode den Bedarf an Enchytraeen für meine Fische und Nachzuchten.(Klaus Seidl)

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