Kaltblütige Spanier - Bernardez- und Almanzor - Salamander
( Bericht liegt im Original mit Bildern vor )
Schon den alten Griechen
und Römern war der Feuersalamander bekannt, und im Altertum wurden ihm
viele unheilvolle Kräfte zugeschrieben. Der römische Historiker Plinius
erklärte ihn für das größte Scheusal unter allem Giftgetier,
das ohne Reue ganze Völker vernichte. Aristoteles, der griechische Philosoph
berichtet von ihm, daß er das Feuer lösche. Im Mittelalter glaubte
man, wenn ein Feuersalamander in der Nähe einer Schmiede hause, brenne
dort das Feuer nicht Indessen hegen auch heute noch viele Menschen eine Antipathie
gegen die Salamander, ja, sie fürchten sich vor ihnen.
In den vielen Märchen von der unermeßlichen Giftigkeit des Feuersalamanders
steckt ein Fünkchen Wahrheit: Fühlt sich das Tier beängstigt
oder bedroht, dann scheidet es ein Giftsekret aus. Indessen greift das Gift
(Samandarin) die menschliche Haut nicht an. Wir spüren also keine Giftwirkung;
nur wenn das Sekret durch Unvorsichtigkeit in die Augen gelangt, verursacht
es ein Brennen auf der Bindehaut.
Feuersalamander sind dankbare Terrarientiere, die leicht zu pflegen sind. Unser
Mitarbeiter Dr. Günter Fachbach stellt Ihnen zwei wenig bekannte
Unterarten vor:
Kaltblütige Spanier
Bernardez- und Almanzor-Salamander
Günter Fachbach
Wohl einer der bekanntesten Vertreter unserer heimischen Schwanzlurche ist der
schwarzgelbe Feuersalamander. Symbol nicht nur einer bekannten Schuhfabrik,
sondern Exempel eines Lurches überhaupt. In Mitteleuropa treffen wir zwei
Unterarten der Gattung Salamandra an: den gefleckten Feuersalamander (Salamandra
salamandra salamandra) und den gebänderten Feuersalamander (Salamandra
salamandra quadrivirgata). Auf der iberischen Halbinsel dagegen können
wir aber gleich sieben Unterarten begegnen, deren Lebensgewohnheiten zum Teil
stark unterschiedlich sind. Von einer sehr interessanten Feuersalamander-Unterart
berichtete zum ersten Male Wolterstorff. Er erhielt im Jahre 1927 von einem
Tiersammler, Herrn Bernardez, aus Oviedo (die Stadt liegt 228 Meter über
dem Meeresspiegel) einige Feuersalamander, die offensichtlich der Vier-Streifen-Unterart
angehörten. Wolterstorff war sehr erstaunt, als er einem schwächlichen
Muttertier die Gebärmutter öffnete, nicht nur kiementragende Larven
zu finden, sondern zum Teil auch völlig verwandelte kiemenlose, aber sehr
kleine Jungtiere. Er bezeichnete diese Feuersalamander aufgrund des vorliegenden
Befundes als eine neue Unterart, und er taufte sie zu Ehren des Sammlers Bernardez
auf den Namen Salamandra salamandra bernardezi.
Seit jener Zeit war es wieder still um den Bernardez-Salamander geworden, und
anlässlich einer Spanienexkursion im vergangenen Jahr machte ich mich auf
die Suche nach den Tieren, hatte aber sehr wenig Hoffnung, sie noch zu finden,
da Oviedo seit 1927 sicherlich sehr gewachsen und der Originalfundort wahrscheinlich
verbaut war. Wolterstorff gab als Fundort einen Bahndamm bei der Calle Postigo
Bajo" zu deutsch Hintertürstraße" an. Als ich in Oviedo
ankam, erkundigte ich mich sofort nach dieser Straße, die heute keine
zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Meine Hoffnungen sanken sogleich
auf den Nullpunkt. Trotzdem machte ich mich auf die Suche und fand tatsächlich
die angegebene Straße und den Bahndamm, an dessen Böschung sich auf
eine Länge von zirka 30 Meter dichtes Gestrüpp hinzog. Rundherum gab
es bereits schon Hochhausbauten, und nur dieser letzte Rest des ursprünglichen
Vegetationszustandes war erhalten geblieben. Durch das Gestrüpp führte
ein schmaler Pfad aus hintereinandergelegten Steinplatten und unter diesen Steinen
saßen die letzten Vertreter dieser fortpflanzungs - biologisch so überaus
interessanten Bernardez-Feuersalamander. Ich hatte das Glück und erwischte
noch 15 Exemplare der interessanten Unterart.
Den Transport überstanden die Tiere in einer mit feuchtem Moos versehenen
Plastikdose recht gut. Auch die Luftveränderung ertragen die Tiere ohne
Schwierigkeiten, da das Klima von Oviedo nicht allzu sehr von unserem abweicht.
Die Pflege des Bernardez-Salamanders bereitet uns kein Kopfzerbrechen, wenn
wir folgende Punkte beachten: Peinliche Sauberkeit, genügend Feuchtigkeit,
abwechslungsreiche Nahrung und ein heller, aber nicht sonniger Standplatz für
das Terrarium. Um meinen Tieren möglichst günstige Lebensbedingungen
zu bieten, wählte ich ein Terrarium, dessen eine Hälfte aus einem
seichten, mit Abfluss und Überlauf versehenen Wasserbecken bestand. Die
andere Hälfte, den Landteil, polsterte ich mit Moos aus, und als Versteckplätze
bot ich den Tieren einige umgestürzte, zum Teil zerschlagene Blumentöpfe
an. Täglich sprühte ich das Terrarium mit einem feinen Wasserstrahl
ab, um Verunreinigungen, wie Kot und Speisereste, zu entfernen.
Damit Salamander gesund und kräftig bleiben, sollten wir sie abwechslungsreich
füttern. Ein ideales Futter sind Regenwürmer und kleine Nachtschnecken,
aber auch Mehlwürmer werden gerne gefressen. Wir müssen nur darauf
achten, dass wir unsere Pfleglinge nicht einseitig ernähren, denn sonst
bekommen die Salamander Häutungsschwierigkeiten, was wiederum die Atmungstätigkeit
und somit das Wohlbefinden sehr beeinträchtigt. Tiere, die beim Häuten
Schwierigkeiten haben, kurieren wir am besten, wenn wir sie in ein Gefäß
setzen, das zweifingerhoch mit destilliertem Wasser gefüllt ist.
Sind die Lebensbedingungen im Terrarium günstig, dann ist es möglich,
daß unsere Tiere sich auch fortpflanzen. Bisher ist mir die Nachzucht
zweimal geglückt. Das Salamander-Weibchen bringt keine Larven zur Welt,
sondern gebiert an Land völlig verwandelte, kiemenlose Jungsalamander.
Die Salamanderkinder sind sehr klein, sie erreichen oft nicht einmal drei Zentimeter;
der Kleinste war sogar nur 1,8 Zentimeter lang. Wenn wir die Jungen erfolgreich
großziehen wollen, müssen wir sie sehr sorgfältig pflegen, vor
allem müssen wir stets darauf achten, daß das Terrarium möglichst
feucht gehalten wird. Ein vortreffliches Futter für die Jungen sind Tubifex-Würmer,
die wir ihnen möglichst trocken auf einem Uhrschälchen servieren.
In einem völlig anderen Lebensraum, im Hochgebirge, wohnt eine weitere
Feuersalamander-Unterart, und zwar Salamandra salamandra almanzoris. Der Almanzor-Salamander
ist in der Sierra de Gredos zu Hause, einem bis 2 592 Meter hoch ansteigenden
Gebirge westlich von Madrid. Laut Literaturangaben sollten die Salamander in
einem über 2 000 Meter hoch gelegenen Karsee vorkommen, der Laguna Grande,
am Fuße des Almanzor, der höchsten Erhebung der Sierra de Gredos.
Das Aussehen der Tiere weicht etwas vom normalen, gefleckten Typ ab; die gelbe
Fleckenzeichnung ist wesentlich kleiner und zarter. Außerdem sollten die
Tiere einen seitlich stark komprimierten Schwanz besitzen, der ihnen im Wasser
als Ruder dient. Nähere Einzelheiten, vor allem über die anscheinend
sehr ungewöhnliche Lebensweise, waren bislang nicht bekannt.
Um von Oviedo zur Sierra de Gredos zu gelangen, ging die Fahrt nach Süden,
und zwar über Leon, Zamora, Salamanca und schließlich an der Nordseite
des Gebirges entlang bis zum Parador Nacional de Gredos , einem alten Berghotel,
von dem man einen herrlichen Rundblick auf die Gipfel der Sierra de Gredos genießt.
In der Nähe dieses Paradors zweigt nach Süden eine Straße ins
Gebirge hinein ab, die in ungefähr 1 800 Meter Höhe endet. Von hier
aus führt ein schmaler Pfad am Refugio del Club Alpino, einer Hütte
des spanischen Alpenvereines, vorbei nach Westen in das Nachbartal, das Tal
des Gredos-Baches mit dem erwähnten Karsee, der Laguna Grande. Zur Zeit
meines Aufenthaltes, Anfang Juni 1968, war der Karsee zum Teil noch dick vereist,
einzelne flachere Uferstücke waren aber schon eisfrei. Obwohl ich gründlich
nach dem Almanzor-Salamander suchte, konnte ich keinen einzigen im Wasser erspähen.
In etwas tiefer gelegenen, kleineren Tümpeln fand ich zwar einige Kröten
der Unterart Bufo bufo gredosicoIa, aber keinen Feuersalamander. Bei einem Erkundungsgang
in die nähere Umgebung watschelte mir plötzlich völlig auf dem
Trockenen der erste Salamandra salamandra almanzoris entgegen. Indessen sollte
er laut Literatur eigentlich im Wasser leben. Ich war deshalb sehr erstaunt,
als er mir am Land begegnete. Nach diesem glücklichen Fund durchkämmte
ich das ganze Gebiet, konnte aber keine weiteren Salamander entdecken. Nach
einem kurzen Gewitter trat ich den Heimweg an, und siehe da, kilometerweit weg
vom ersten Fundort fand ich in einer Höhe von über 2200 Metern noch
einige weitere Almanzor-Salamander. Die Tiere leben in diesem Gebiet sehr verstreut,
höchst selten findet man mehrere auf engem Areal versammelt. Ebenso wie
bei den Bernardez-Salamandern diente eine moosgefüllte Plastikdose als
Transportbehälter. Auch das Terrarium glich in seiner Einrichtung der Wohnung
der Bernardez-Salamander. Indessen stellte ich fest, dass sich die Tiere unterschiedlich
verhielten. Während die Bernardez-Salamander vorwiegend in der Dämmerung
lebendig werden, erreichen die AlmanzorSalamander hauptsächlich in der
Nacht ihr Aktivitätsmaximum, was mit den klimatischen Bedingungen des Gebietes
zusammenhängen dürfte.
Ich war natürlich sehr neugierig, ob der Almanzor-Salamander, wie in der
Literatur angegeben, zeitweise wirklich das Wasser aufsuchen würde. Manche
Autoren vermuteten, die Salamander gingen vielleicht nur zur Fortpflanzung ins
Wasser; ich konnte das allerdings an meinen Tieren nie beobachten.
Meine Almanzor-Salamander haben inzwischen zweimal geboren, und zwar setzen
die Weibchen ganz normale, mit äußeren Kiemen versehene Larven ins
Wasser ab. Die Größe der Larven schwankt zwischen 28 und 39 Millimeter.
Ihre Aufzucht bereitete mir keine nennenswerten Schwierigkeiten. Die Larven
ernährte ich mit Tubifex und anderen Kleintieren. Nach ungefähr vier
Monaten tritt die Metamorphose ein, die Kiemen werden rückgebildet, und
nach einer Häutung gehen die Jungtiere an Land. Diese frisch verwandelten
Salamander zog ich in gleicher Weise auf wie die jungen Bernardez-Salamander.
Bis zur Geschlechtsreife benötigen die Salamander unter günstigen
Bedingungen zirka 3 bis 4 Jahre.
Diese beiden Unterarten des Feuersalamanders, die in der Natur unter völlig
verschiedenen Bedingungen leben, zeigen uns sehr schön, dass wir mit etwas
Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl sehr wohl in der Lage sind, auch
diese Tiere in der Gefangenschaft erfolgreich nachzuzüchten. Natürlich
können wir unseren einheimischen Feuersalamander sehr viel leichter züchten.
Auch bei ihm fasziniert es den Naturfreund wie den Biologen immer wieder, die
gravierenden Umbildungen am Larvenkörper bei der Metamorphose zu beobachten.
Vor unseren Augen wird aus einem kiementragenden Wasserbewohner ein echtes Landtier.
Quelle : Kaltblütige
Spanier - Bernardez- und Almanzor-Salamander Günter Fachbach