Zur Fortpflanzung des Feuersalamanders in der Gefangenschaft

Schon seit .Jahren beschäftige ich mich mit Feuersalamandern und pflege z. Z. ein Pärchen in einem Terrarium von 75 cm Länge und 35 cm Breite. Ich verkittete die Scheiben wasserdicht und füllte die reichliche rechte Hälfte des Terrariums mit feuchter Humuserde an, und die andere Hälfte verwandelte ich in einen kleinen Teich mit Sand und Schlingpflanzen. Darin pflegte ich gleichzeitig Wasserfrösche. Aus dem Wasser ragte als kleine Insel eine Baumwurzel, die zur beliebten Lagerstätte der Tiere wurde. Die übrige Einrichtung vervollständigte ich mit Moosen und hohen Farnen, die ein dämmriges Dunkel bewirkten. Das Terrarium erhält fast keine Sonne, denn es steht an einem Fenster der Nordseite.
Aus dem Schwarzatal im Thüringer Wald erwarb ich im August vergangenen Jahres ein weibliches Tier (Salamandra salamandra terrestris) und ein etwas kleineres männliches Tier (Salamandra salamandra salamandra), die das eingerichtete Becken bezogen. Beide Tiere fühlten sich sichtlich wohl, und ich fütterte Regenwürmer, Nacktschnecken und Insekten. Wiederholte Male fiel mir jedoch der starke Umfang des Weibchens auf, und ich beobachtete einmal, daß beide Tiere ungeheuer flink durch das Becken jagten. Das Männchen verfolgte ständig sein Weibchen.
Ende September entdeckte ich eines Tages unter der Baumwurzel im Wasser durch einen Zufall die kleinen Larven der Feuersalamander. . . ich wollte es nicht glauben, als ich nach und nach ungeheuer viele entdeckte. Sie mochten schon einige Zeit in dem Wasser leben, denn sie waren bereits 35-40 mm groß und mit gewaltigen Kiemenbüscheln ausgestattet. Wann hatte das Weibchen nur die Jungen bekommen? So hatte ich leider keine Gelegenheit, den Geburtsvorgang irgendwie zu beobachten. Aber die Aufzucht der Larven würde mir ja ohnehin noch viel Interessantes bieten. Ich hatte das Wasser im Terrarium, wie schon betont, lange Zeit nicht gewechselt, nur frisches hinzugefüllt. Es hatten sich also vorzüglich Infusorien und andere Kleinstlebewesen bilden können, die den Kleinen die ersten Lebenstage ermöglichten. So blieb mir die schwierige Aufzucht der sehr kleinen Larven erspart.
Es war unmöglich, die Larven alle zu zählen, es mögen ungefähr 30 gewesen sein. Ich überließ die Larven sich selbst und fütterte nur des öfteren Wasserflöhe, weil die Larven sehr gefräßig sind. Die alten Feuersalamander ließ ich im gleichen Becken, denn sie kümmerten sich nicht um ihren Nachwuchs im Wasser. Von Anfang an zeigten die Larven schon eine über den ganzen Körper verteilte gesprenkelte Färbung. An den Beinwurzeln befand sich je ein heller Fleck, der dann bei den Landsalamandern als eine der ersten Zeichnungen sehr intensiv hervortrat. Die Larven zeigten bis in die letzten Entwicklungswochen einen stark abgeflachten Kopf mit einem
großen Maul, da sie sich sehr räuberisch ernähren. Die Augen sind zunächst sehr hell und blicken ausdruckslos wie die eines Frosches. Sie werden immer dunkler, und erst Ende der Entwicklung beginnen sich die Augenwülste darüber auszubilden. Von der Mitte des Rückens aus zieht sich ein schmaler Hautsaum bis zur Schwanzspitze. Durch die zarte Haut an der Bauchunterseite, die übrigens keine Zeichnung aufweist, schimmern die Eingeweide.
Ein schwieriges Problem stand vor der Tür der Winter. Die Larven wuchsen schnell, und ich hatte nur einen Wunsch, daß diese den Winter im Wasser verbringen mögen. Das war dann auch der Fall. Außerdem kam ich indes zu der Feststellung, daß es besser sei, man hat wenige Tiere auf großem Raum, als viele auf kleinem. Ein besseres Wachstum des einzelnen ist damit gewährleistet. Deshalb verteilte ich zwei Drittel der Larven auf zwei kleinere Aquarien. Ich nahm anstatt frisches Leitungswasser für sie Altwasser eines Zierfischbeckens und nur einen geringen Teil Frischwasser. Zunächst wuchsen die Larven auch hier weiterhin sehr zufriedenstellend. Eine plötzliche Epidemie jedoch (ich weiß leider nicht wodurch sie entstand- sie äußerte sich an schimmelpilzartigem Belag in den Augen und Knötchen am ganzen Körper der Tiere) raffte mir den Bestand in den Aquarien von rund 15 Larven in 1-2 Tagen schlagartig dahin. Meine letzte Hoffnung waren nun die
übrigen Larven, die sich in dem kleinen Tümpel im Terrarium bei 10 cm Wasserstand sehr wohl fühlten. Durch den einen Fehlschlag sehr vorsichtig geworden, veränderte ich nun im Terrarium nichts mehr, obwohl mir das trübe Wasser ja weniger behagte. Ich füllte nur oft ein wenig Frischwasser hinzu.
Den Winter verbrachten meine alten Salamander im Laub des Terrariums versteckt und fraßen ganze 5 Monate nichts. Die Larven hingegen wuchsen bei guter Fütterung weiterhin heran, und ihre Länge betrug Ende Februar 50 mm. Im Frühling krochen einzelne größere Larven auf den nassen Schlamm, der sich am feuchten Landteil gebildet hatte. Das Terrarium, das ich mäßig warm im Winter in der Küche stehen hatte, bezog nun wieder seinen alten Platz am Nordfenster.
Ende März fiel mir auf, daß sich die Zahl der Larven erheblich verringert hatte. Kurz entschlossen entfernte ich das Laub, das zur Überwinterung gedient hatte und fand, völlig trocken und verkrustet, 7 kleine schwarzgelb gefleckte Feuersalamander, die bald noch kleiner als manche vollgefressene Larve waren. Zuerst glaubte ich sie tot, aber im Wasser wurden die kleinen Tierchen munter. Damit sei gleich vermerkt, daß die kleinen Salamander ungeheuer flink sind, im Vergleich mit unseren Eidechsen. Da ich nicht sicher war, ob die beiden Alten nicht doch ihre Jungen fressen, habe ich das Terrarium mittels einer Glasscheibe in zwei Hälften geteilt. Auf der einen Seite befinden sich alle Jungtiere und die übrigen Larven, während auf der anderen noch genug Platz für die Alten ist. Von nun an beobachtete ich sehr intensiv die übrigen Larven, und man konnte bald die Larven, die in nächster Zeit an Land gehen würden, von den anderen unterscheiden. Sie waren bedeutend dunkler, und die allgemeine Sprenkelung fiel weg und konzentrierte sich auf einige charakteristische Flecken (Beinwurzel, Augenwülste, Giftdrüsen an jeder Seite - Parotiden), die aber beim Landtier zunächst wieder etwas verwischen, so daß das Tier fast schwarz aussieht. Außerdem wird der Schwanz runder, und die Kiemenbüschel schrumpfen ein.
Das Problem der Fütterung löste ich mit Enchyträen. Ich war selbst freudig überrascht, daß die Tiere so eifrig fraßen. Die neu an Land gegangenen Larven fressen allerdings in der ersten Woche ihres Landaufenthaltes fast gar nichts. Anfangs fütterte ich eine Woche lang täglich, und ich brachte die kleinen Salamander ins Wasser zum Baden", denn die lichtscheuen Tiere vergruben sich tagsüber und auch nachts tief in Erde und Moos. Freiwillig gingen sie zunächst nicht ins Wasser. Da sie aber immer völlig vertrocknet waren, mußten sie mit diesen unfreiwilligen Bädern vorlieb nehmen, obwohl es ja bekannt ist, daß Feuersalamander (ausgenommen die Weibchen) leben können, ohne je einmal das Wasser aufsuchen zu müssen.
Immer mehr begann nun aus dem doch noch immer etwas larvenähnlichen Salamander ein richtiges Landtier zu werden. Die schwach gezeichneten orangefarbenen Flecken auf dem bereits tiefschwarzen Körper wurden intensiver und gelber. Auch die gedrungene, plumpe Gestalt wurde feingliedriger, und der Schwanz entwickelte sich drehrund und verlor vollkommen die flache, abgeplattete Form. Die Jungtiere haben im Durchschnitt eine Größe von 50-60 mm. In den nächsten Wochen fütterte ich nur noch alle zwei Tage, und es ist zu beobachten, daß die Tiere lange nicht mehr so viel fressen wie zu Anfang. Es werden nun auch schon kleine Regenwürmer und Nacktschnecken genommen. Insekten verschmähen die Tiere im allgemeinen. Da die Salamander sehr unterschiedlich fressen, haben sie auch verschiedene Größen. Das stärkste Tier beträgt nun nach 6 Wochen Landleben 60 mm. Die Fleckenzeichnung ist sehr ausgeprägt und kräftig, erstreckt sich aber zunächst nur auf einen schmalen Streifen der Rückenpartie, die Flekken an den Seiten beginnen aber bereits teilweise durchzuschimmern. Es ist bis jetzt aber noch nicht erkennbar, ob die Jungtiere gebänderte oder gefleckte Salamander werden (wahrscheinlich nach der Mutter - Erblichkeit der Längsbänderung). Auch der Charakter wandelt sich stark mit der zunehmenden körperlichen Entwicklung. Die Salamander werden reaktionsfähiger und unternehmen nachts oft ausgedehnte Streifzüge ins Wasser und auf dem Lande. Am nächsten Tag kann ich sie dann immer wieder alle zur Fütterung zusammensuchen, denn regelmäßige, kontrollierende Fütterung (mit der Pinzette) halte ich für notwendig. Beim Suchen der Salamander passierte es mir des öfteren, daß ich diese im Teil des Terrariums fand, das die alten Salamander bewohnen. Demzufolge habe ich nicht bemerken können, ob die Alten die größeren Jungen nun noch fressen würden.
Zur Zeit habe ich nun 12 Jungtiere unterschiedlichen Alters und sehr unterschiedlicher Färbung. Die ersten 5 Salamander, die an Land gingen, pflege ich schon über einen Monat. 8 Larven befinden sich noch im Wasser. Also ist so ein Salamander, der als Larve überwintern muß, rund 7 Monate alt.

Anmerkung der Redaktion:
Nach der Anordnung zum Schutze der nicht jagdbaren Tiere vom 15.02.1955 ist der einheimische Feuersalamander geschützt. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung der zuständigen Naturschutzverwaltung

Quelle : Gina Tröger aus dem Jahre 1955 ?!

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